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14.10.2026: Neues Interviewarchiv zu Raubdrucken in den 1970ern

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News vom 12.10.2026

Am 14. Oktober 2026 stellt Annette Gilbert (Universität Erlangen) das im Rahmen des Forschungsprojekts "Schwarzer Markt für rote Bücher" entstandene Interviewarchiv über linke Raubdrucke der 1970er Jahre vor.

Das Projekt widmet sich der unerlaubten Vervielfältigung und Verbreitung von Texten durch die Raubdruckbewegung der 1960er bis 1980er Jahre in der Bundesrepublik, die sich aus dem Diskussionszusammenhang der Studentenbewegung, der APO, der sog. Neuen Linken und der daraus entstehenden Gruppierungen heraus entwickelte. Waren es anfangs wenige Titel, die klandestin kursierten, wurden sie ab Mitte der 1960er Jahre in immer größerer Zahl produziert und zunehmend offen gehandelt, sei es in linken Buchläden, Uni-Seminaren, Kneipen, auf fliegenden Büchertischen vor der Mensa oder bei SDS-Versammlungen. Auslöser war das enorme Defizit an verfügbarer theoretischer und linker Literatur, das Nationalsozialismus, Exil und Kalter Krieg hinterlassen hatten. Im Laufe der Jahre professionalisierte und kommerzialisierte sich die Szene, zunehmend waren auch Belletristik, Lehrbücher und Bestseller im Angebot.

Das Projekt sammelt Zeitzeugnisse von Drucker:innen, Verleger:innen, Buchhändler:innen, Bibliothekar:innen, Leser:innen, die Auskunft geben über die gesellschaftspolitischen Diskussionszusammenhänge, Theorie- und Lektürekonjunkturen, alternativen Ökonomien, klandestinen Infrastrukturen, subversiven Rechtsauffassungen und dissidenten Praktiken jener Jahre.

Die Interviews entstanden zum Teil in Seminaren an der Friedrich Alexander-Universität Erlangen, der Gustav-August-Universität Göttingen, der Universität Augsburg und der Hochschule für Künste Bremen. Weitere Interviews sind in Arbeit. 

Das Interview-Archiv "Schwarzer Markt für rote Bücher. Die Raubdruckbewegung der 1960er bis 80er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland" ist über das Interviewportal "Oral-History.Digital" nach Registrierung und Freischaltung zugänglich. Es geht am 14. Oktober 2026 mit den ersten sechs Interviews offiziell online. 

Die Präsentation des Online-Archivs erfolgt im Rahmen der Podiumsdiskussion "Die wilden 70er Jahre in Bremen: Raubdrucke in Bibliotheken und Buchhandlungen" anlässlich einer gleichnamigen Ausstellung an der Universität Bremen.

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