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Digitale Interview-Sammlungen an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin (FUB)

Die Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin versorgt an verschiedenen Standorten mehr als 35.000 Studierende und 200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Literatur, Informationen und digitalen Diensten für Forschung, Lehre und Studium. Dazu gehört auch die Archivierung und Bereitstellung von audiovisuellen Forschungsdaten im Bereich der Oral History.

Zur Universitätsbibliothek gehört seit 2018 auch der ursprünglich am Center für Digitale Systeme (CeDiS) entstandene Arbeitsbereich Digitale Interview-Sammlungen. Seit 2006 wurden hier Oral History-Archive aufgebaut, digitale Forschungs- und Lernumgebungen entwickelt, Forschungsprojekte und Lehrveranstaltungen unterstützt oder initiiert, Publikationen erarbeitet, Konferenzen und Summer Schools organisiert. Mit Förderung u.a. durch DFG, BMBF, AA und verschiedene Stiftungen konnten innovative Drittmittelprojekte im Bereich der digital unterstützen Oral History umgesetzt werden. Die Expertise des Teams deckt den gesamten Prozess von der Interviewführung über das Sammlungsmanagement, die (automatische) Transkription und wissenschaftliche Erschließung bis zur digitalen Bereitstellung und didaktischen Aufbereitung von Interviews ab. Auch die Auseinandersetzung mit den FAIR-Prinizpien sowie mit ethischen und rechtlichen Fragen der Oral History gehört dazu.

Einerseits wurden externe Interview-Sammlungen verfügbar gemacht: Das Visual History Archive der USC Shoah Foundation umfasst über 57.000 Video-Interviews. CeDiS hat ab 2008 im Projekt Zeugen der Shoah 950 deutschsprachige Interviews transkribiert. 150 Interviews der britischen Sammlung Refugee Voices können durch eine Metadaten-Standardisierung über den Bibliothekskatalog recherchiert werden. Auch das Fortunoff Archive der Yale University mit über 4.000 Interviews steht an der FUB bereit.

Neben diesen drei externen Sammlungen hat das Team Digitale Interview-Sammlungen (DIS) mehrere eigene Interviewarchive aufgebaut: Die 590 Interviews von Zwangsarbeit 1939-1945 wurden seit 2008 in einem spezialisierten Backend mit Workflow-Management wissenschaftlich erschlossen und in einem mehrsprachigen Online-Archiv mit timecodierten Transkripten, facettierter Suche, interaktiver Kartenanwendung und Notizfunktion bereitgestellt. Seit 2018 präsentiert Erinnerungen an die Okkupation in Griechenland 93 Interviews in einer zweisprachigen Forschungsumgebung. Gemeinsam mit dem Lateinamerika-Institut ist seit 2019 Colonia Dignidad. Ein chilenisch-deutsches Oral History-Archiv aufgebaut worden. Weitere Interviewarchive thematisieren Fluchtversuche am Eisernen Vorhang, die Erlebte Geschichte der Freien Universität oder die Geschichte des Kirchenasyls. Die Interviewarchive wurden seit 2006 in über 180 Lehrveranstaltungen und Forschungsprojekten genutzt. Über 14.000 Nutzer*innen sind im Archiv Zwangsarbeit 1939-1945 registriert (fast 1.000 Neuanmeldungen/Jahr).

Zusammen mit Schulen und Gedenkstätten sowie Partnern in Tschechien, Russland, Polen und den Niederlanden entwickelte das Team multimediale Bildungsangebote als Online-Anwendungen zum – auch mobilen – Lernen mit Interviews. Das im Team angesiedelte Projekt ASR4Memory entwickelt ein prototypisches Angebot zur automatisierten Transkription von audiovisuellen Forschungsdaten wie Zeitzeugeninterviews oder Dokumentarfilme. Im NFDI-Konsortium 4Memory beteiligt sich das Team darüber hinaus am Austausch über Normdaten (TA2), Schnittstellen (TA3), Data Literacy (TA4) sowie ethische und rechtliche Fragen (TA5). Das interdisziplinäre Team um Projektleiter Dr. Cord Pagenstecher ist engagiert in wissenschaftlichen Debatten um Oral History und Linguistik, Digital Humanities und Forschungsdaten, auf CLARIN- und DHd-Konferenzen ebenso wie in der AG Digitale Geschichtswissenschaft des Historikerverbands. Die methodische Reflektion über den heterogenen Charakter vorliegender Sammlungen nimmt dabei eine wichtige Rolle ein. 

In das Projekt Oral-History.Digital bringt der Bereich Digitale Interview-Sammlungen an der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin seine Software-Basis, Sammlungsbestände, Erfahrungen und Netzwerke ein, verantwortet Entwicklung und Betrieb von Repositorium, Erschließungs- und Rechercheumgebung.

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Freie Universität Berlin
Universitätsbibliothek
Digitale Interview-Sammlungen
Ihnestr. 24
14195 Berlin