Das Projekt "Oral-History.Digital"
Das Projekt Oral-History.Digital entwickelt und betreut eine Erschließungs- und Recherche-Plattform für wissenschaftliche Sammlungen von audiovisuell aufgezeichneten narrativen Interviews. Hier finden Sie eine Projektbeschreibung und eine Übersicht zu Neuentwicklungen im ersten Halbjahr 2025 und im zweiten Halbjahr 2025 sowie Aktivitäten zur Vernetzung.
Trailer "Oral-History.Digital" (1min 43sec). Der Kurzfilm stellt Inhalte und Funktionen des Interviewportals "Oral-History.Digital" vor. Konzeption und Umsetzung: Philipp Bayerschmidt, 2024
Oral-History.Digital: Interviewportal - Erschließungsplattform - Forschungsumgebung
Forschende und Interessierte aus Bildung und Öffentlichkeit können die Interviews über Filter- und Volltextsuche sammlungsübergreifend durchsuchen. Anfang 2025 verzeichnete das Portal 41 Archive mit 3.770 Interviews von zahlreichen Museen, Stiftungen und Universitäten. Angemeldete Nutzende können die Audio- oder Video-Dateien mit Untertiteln und Begleitmaterialien ansehen und in ihrer Arbeitsmappe annotieren. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite "Recherchieren".
Interviewprojekte in Museen, Universitäten oder Stiftungen können ihre Audio- und Video-Interviews mit Begleitmaterialien hochladen und mit Werkzeugen für Transkription (z. B. ASR4Memory) oder Verschlagwortung (z. B. Topic Modeling) bearbeiten. Je nach Erschließungszustand und Rechtesituation können die Interviews mittels einer differenzierten Nutzerverwaltung zugänglich gemacht oder nur durch Metadaten nachgewiesen werden. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite "Mitmachen".
Im Sinne der FAIR-Prinzipien macht Oral-History.Digital die Interviews als audiovisuelle Forschungsdaten auffindbar, zugänglich, verknüpfbar und nachnutzbar. Ein differenziertes Rechtemanagement schützt die Persönlichkeitsrechte der Interviewten. Die Infrastruktur umfasst einen Medienserver für Transkodierung und Streaming und ein Repositorium mit Erschließungs- und Rechercheansicht. Sie wird auch über die Projektlaufzeit hinaus dauerhaft bereitgestellt. Weitere Informationen finden Sie auf der Seite "Dokumente".
Durch die Mitwirkung der FU Berlin in den Konsortien 4Memory und Text+ wird "Oral-History.Digital in die Nationale Forschungsdaten-Infrastruktur integriert. Neben der Mitwirkung in verschiedenen Arbeitsgruppen von 4Memory dienen dazu vor allem die Projekte "ASR4Memory" (zur automatischen Spracherkennung) und "Text+ohd" (zum TEI-Export).
Die Infrastruktur Oral-History.Digital wird von fünf Partnerinstitutionen zusammen erarbeitet. Mit der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, dem "Archiv Deutsches Gedächtnis" der FernUniversität Hagen und der Werkstatt der Erinnerung an der Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg bringen die größten Oral History-Einrichtungen in Deutschland ihre Sammlungsbestände, Erfahrungen und Kontakte in eine gemeinsame Forschungsinfrastruktur ein. Das Bayerische Archiv für Sprachsignale der Universität München gewährleistet als CLARIN-Zentrum die Langzeitarchivierung und unterstützt die Interviewerschließung im Bereich von Spracherkennung, Alignment und Anonymisierung. Der Lehrstuhl für Medieninformatik der Universität Bamberg unterstützt die Arbeiten zu Normdaten, Suchfunktionalitäten und Rechtemanagement. An der FernUniversität Hagen (in der ersten Förderphase an der Universität Erlangen-Nürnberg) wird die Rechercheumgebung für eine Pilotstudie zu Topic Modeling und Migrationserzählungen erprobt.
Oral-History.Digital wird in der Community gemeinsam mit Pilotnutzer*innen aus Forschungsprojekten, Museen, Archiven, Stiftungen entwickelt und getestet. Forschende aus Linguistik, Sozialwissenschaft, Bildungswissenschaft und Anthropologie begleiten das Projekt in einem Wissenschaftlichen Beirat.
Das Interviewportal ist seit 2023 online. Eine Eröffnungsveranstaltung am 25. September 2023 und ein Workshop am folgenden Tag präsentierte und diskutierte die Erschließungs- und Recherche-Umgebung für audiovisuelle narrative Forschungsdaten mit den beteiligten Archiven, Forschenden und externen Fachleuten. Bilder und Videoaufzeichnungen dokumentieren das Programm.
Gefördert wird Oral-History.Digital wird seit 2020 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Förderprogramm „e-Research-Technologien“. Die Freie Universität Berlin wird die Infrastruktur danach weiterführen, als wissenschaftliche Dienstleistung auch für andere Interviewarchive. Die Software steht außerdem als Open Source zur Verfügung.
Literatur:
- Cord Pagenstecher: Oral-History.Digital: Eine Erschließungs- und Rechercheplattform für audiovisuelle narrative Forschungsdaten, in: O-Bib. Das Offene Bibliotheksjournal 11 (1), 2024, 1-8, https://doi.org/10.5282/o-bib/6007
- Linde Apel, Almut Leh, Cord Pagenstecher, Oral History im digitalen Wandel. Interviews als Forschungsdaten, in: Linde Apel (Hg.), Erinnern, erzählen, Geschichte schreiben. Oral History im 21. Jahrhundert, Berlin: Metropol 2022, 193-222, https://zeitgeschichte-hamburg.de/files/public/FZH/PDF/apel_erinnern_ebook_offen.pdf
- Publikationen aus dem Team Digitale Interview-Sammlungen der FU Berlin: https://www.fu-berlin.de/sites/interviewsammlungen/forschung/publikationen/index.html
- Zum Interviewportal
Neuentwicklungen im ersten Halbjahr 2025
Freischaltungsprozess
Um den zweistufigen Prozess aus Registrierung in oh.d und Freischaltung für das einzelne Archiv übersichtlicher zu machen, zeigt eine Art Fortschrittsbalken unter dem Anmelde-Button (oben rechts) die nötigen Arbeitsschritte. Details unter https://wikis.fu-berlin.de/x/A4T3XQ.
Neuer Interview Status: auf Anfrage zugänglich
Um eine differenziertere Zugangskontrolle für besonders sensible Interviews zu ermöglichen, wurde neben den Status "zugänglich" und "nicht zugänglich" der neue Status "auf Anfrage" eingeführt. Auch nach Freischaltung im Archiv sind diese Interviews für die Nutzer*innen nicht direkt verfügbar, der Zugang muss per E-Mail angefragt werden. Details unter https://wikis.fu-berlin.de/x/pYLGT.
Hilfeseiten und Tutorials
Die ausführlichen Hilfeseiten für das Recherchieren im Interviewportal und das Erschließen in der Redaktionsansicht sind nun komplett auf deutsch (https://wikis.fu-berlin.de/x/Fo20TQ) und englisch (https://wikis.fu-berlin.de/x/YQToWw) verfügbar. Viele Detailseiten sind über einen grünen Infokasten mit Fragezeichen direkt von einzelnen Erschließungsformularen aus erreichbar. Die Hilfe wird kontinuierlich weiter bearbeitet und enthält nun auch einige Video-Tutorials.
Video-/Audio-Steuerung
Die Steuerungsleiste unter dem Medienplayer wurde verbessert. Sie können nun 5 Sekunden vor- und zurückspringen und leichter die aktuelle Laufzeit erkennen oder die Abspielgeschwindigkeit reduzieren.
Bessere Volltextsuche
Im Deutschen werden Wortstämme jetzt auch ohne Trunkierung durch Sternchen etc. gefunden. Eingaben wie "Such" und "suchen" finden jetzt auch "sucht". Infos zur Suche unter Archivübergreifende Suche.
Spracherkennung
Der automatische Transkriptionsservice ASR4Memory steht nun den Archiven in oh.d zur Verfügung. Details unter https://www.fu-berlin.de/asr4memory.
Arabische und hebräische Transkripte
Transkripte in Rechts-Links-Schriften werden nun entsprechend rechtsbündig dargestellt.
Zwei Übersetzungsvarianten
Wenn Transkripte in mehrere Sprachen übersetzt sind, können außer dem Originaltranskript jetzt auch mehrere Übersetzungen, z.B. deu/ger und eng, angeboten werden.
Normdaten für Ortsregister
Wenn Sie einen neuen Registereintrag anlegen, z. B. für den Geburtsort der Interviewten, können Sie nun automatisch Normdaten aus der Gemeinsamen Normdatei (GND) der Deutschen Nationalbibliothek und den damit verbundenen anderen Vokabularen wie Wikidata und Open Street Map abrufen. Nutzen Sie das immer für Orte, damit Ihre Interviews in der archivübergreifenden Suche in oh.d zukünftig leichter auffindbar werden. Auch die Verknüpfung mit Normdaten für Körperschaften und Sachschlagwörtern wird unterstützt. Details unter https://wikis.fu-berlin.de/x/KInWT.
Archiv- und Sammlungsbeschreibungen
Archiv- und Sammlungsbeschreibungen werden im oh.d-Katalog auf deutsch und englisch angezeigt und in übergeordneten Verzeichnissen, z. B. der Nationalen Forschungsdaten-Infrastruktur, abrufbar, soweit sie von den Archivinhaber*innen eingetragen wurden.
Veröffentlichungsjahr
Für jedes Archiv, jede Sammlung und jedes Interview wird nun ein Veröffentlichungsjahr genannt. Einzutragen ist hier das Jahr der digitalen Veröffentlichung über das Portal Oral-History.Digital. Als Zitierweise eines Interviews empfehlen wir weiterhin, das Datum des Interviews und das Datum des Abrufs zu nennen.
Nutzungsstatistik
Mit Hilfe des datenschutzkonformen Statistik-Tools Matomo können wir nun einige Angaben zum Rechercheverhalten der angemeldeten Nutzer*innen im Portal und in einem einzelnen Archiv sammeln und für zukünftige Verbesserungen des Portals auswerten.
Vorschaubilder
Bei der Transkodierung von Videodateien für oh.d werden automatisch Vorschaubilder erzeugt. Für Audio-Interviews können Porträts der Interviewten als Vorschaubilder hochgeladen werden. Details unter https://wikis.fu-berlin.de/x/_4O3W.
Neuentwicklungen im zweiten Halbjahr 2025
Zusatzmaterialien / Upload von PDF-Dateien
Außer Fotos können jetzt auch PDF-Dateien zu einzelnen Interviews hochgeladen werden, z. B. manuell erzeugte Transkripte ohne Timecodes, Einverständniserklärungen, medientechnische Datenbögen, Archivdokumente zu den Interviewten etc. Die PDF-Dateien können einzeln öffentlich oder nicht öffentlich gestellt werden. Details unter https://wikis.fu-berlin.de/x/GIQjaQ.
Video-Tutorials und FAQs auf Webseite
Video-Tutorials und Antworten auf häufige Fragen sind jetzt unter "Hilfe" direkt auf der Projekt-Webseite erreichbar: https://www.oral-history.digital/hilfe. Sie werden zukünftig erweitert. Zudem gibt es Video-Tutorials zu wichtigen Erschließungsschritten für Archivinhaber*innen. Genauere Anleitungen bieten die Online-Hilfe und die PDF-Dokumentation.
Schnittstellen
Die Interviews aus Oral-History.Digital sollen auch in übergeordneten Verzeichnissen der Nationalen Forschungsdaten-Infrastruktur (NFDI) auffindbar sein, zum Beispiel den Katalogen der NFDI-Konsortien Text+ (Sprachwissenschaften) und 4Memory (Geschichte). Dazu wurde im Projekt "Text+ohd" eine OAI-Schnittstelle entwickelt. Damit können die Metadaten zu Archiven und zugehörigen Sammlungen in den Formaten DublinCore oder DataCite automatisch abgerufen werden. In der Zukunft werden darüber auch Metadaten zu einzelnen Interviews verfügbar sein, und zwar genau die - in der Regel anonymisierten - Daten, die auf den Landing Pages der Interviews ohne Anmeldung in oh.d angezeigt werden. Details unter https://www.fu-berlin.de/text_ohd.
TEI-Export
Interviewtranskripte können bei entsprechender Berechtigung nun auch als XML-Datei in dem von der Text Encoding Initiative entwickelten TEI-Format exportiert werden. Dieser vor allem in digitalen Editionen weit verbreitete Standard erhöht die Interoperabilität von Oral History-Interviews mit anderen Forschungsdaten. Details unter https://www.fu-berlin.de/text_ohd.
Topic Modeling Dashboard
Mit dem statistischen Verfahren Topic Modeling können Schlagwörter eines Themenregisters und Überschriften eines Inhaltsverzeichnisses automatisch generiert werden. Dies wird im Archiv "Deutsches Gedächtnis" erprobt und kann zukünftig auch in weiteren Archiven genutzt werden. Ein darauf basierendes, visuelles Such-Werkzeug wird gerade evaluiert. Details unter https://www.oral-history.digital/dokumente/index.html#tm.
Einzelverbesserungen
Verschiedene Detailprobleme wurden behoben, etwa in der Registerbearbeitung oder mit verschachtelten Transkriptionszeichen.
Release-Nummern
Verbesserungen der Software haben seit September 2025 eine dreistellige Release-Nummer, die am Ende der Portalsseite angezeigt wird. Derzeit ist die Version 1.4.1 auf GitHub verfügbar. Details unter https://github.com/oral-history-digital/ohd/releases.
Aktivitäten zur Vernetzung
Internationale Vernetzung
Die internationale Vernetzung wurde vorangetrieben durch Vorträge u.a. auf der European Social Science and History Conference (im März in Leiden, https://www.oral-history.digital/news/2025-03-27-esshc.html) und der International Oral History Association (im September in Krakau, https://www.oral-history.digital/news/2025-09-17-ioha.html). Im November veranstaltete oh.d ein Online-Treffen mit europäischen Interviewportalen.
Interdisziplinäre Vernetzung
Die FU Berlin ist mit oh.d jetzt auch ein Daten- und Kompetenzzentrum im sprachwissenschaftlichen NFDI-Konsortium Text+ (https://text-plus.org/ueber-uns/textpluszentren/fub/). Zahlreiche Workshops, Tagungen und Colloquien stärkten die interdisziplinäre Vernetzung, u.a. über die NFDI-Konsortien 4Memory, Text+, KonsortSWD, auf der Forschungsdatentagung FORGE, in der neuen AG Sozialdaten im Historikerverband, bei der Tagung "Emergentes Erinnern" oder beim FID "Darstellende Kunst". Ankündigungen und Berichte finden sich in den News auf der Projekt-Webseite: https://www.oral-history.digital/news.
Wachsender Bestand
Derzeit verzeichnet Oral-History.Digital 213 Sammlungen mit 4587 Interviews von 57 Institutionen (https://portal.oral-history.digital/de/catalog). Zu den neu bereitgestellten Interviewsammlungen gehört auch das Audio-Archiv von Claude Lanzmann, das Gespräche aus den Recherchearbeiten zum Dokumentarfilm "Shoah" umfasst und in Kooperation mit dem Jüdischen Museum Berlin sukzessive zugänglich gemacht wird.
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